Einem Gläubigen ist nichts schädlicher, als dass er meint, er habe es schon ergriffen, und es sei daher nicht nötig, es erst zu suchen, denn von daher kommt es, dass viele zurückfallen, und vor Sicherheit und Faulheit verwelken und lasch werden.
Deswegen, wer angefangen hat, ein Christ zu sein, der ist schuldig, auch noch dieses zu tun, dass er gedenken, er sei noch kein Christ, sondern er suche es noch dahin zu bringen, dass er ein Christ werde.
Dieses Leben ist nicht eine Frömmigkeit, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
Wir sind’s noch nicht; wir werden’s aber.
Es ist noch nicht getan, es ist aber in Gange und Schwange.
Es ist nicht das Ende; es ist aber der Weg.
Ein Christ ist im Werden, nicht im Worden-sein.
Denn wir strecken uns nach dem Himmel, sind aber noch nicht im Himmel.
Und wie der nimmermehr in den Himmel kommen wird, der sich einbildet, er sei schon im Himmel, so ist der bereits im Himmel, der sich nach dem Himmel streckt und hineinzukommen sucht. So wunderbar sind Gottes Werke.
Martin Luther









