Paulus schreibt, dass G-tt zu ihm gesagt hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen; meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2Kor 12, 9) Dies‘ Wort steht auch als Losung über dem Jahr 2012.
Nun ist das ja mit der Schwäche so eine Sache - wer will schon gerne schwach sein? „Ein Indianer weint nicht! Das tun nur kleine Mädchen…“ habe ich als kleiner Junge immer wieder gehört. Ältere werden sich noch an Sprüche wie „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ erinnern… Herbert Grönemeyer singt: „Männer sind furchtbar stark…“ und Xavier Naidoo: „Alle Männer müssen kämpfen…“
Aber ist es nicht so, dass in unserer schnelllebige Zeit die Schwächeren in der Gesellschaft schnell unter die Räder kommen? Auch in unseren Beziehungen und Begegnungen untereinander stellen wir uns gerne als stärker dar, als wir in Wirklichkeit sind – oder wir haben uns in unserer Seele so verhärtet, dass wir dieses Herzens Härtigkeit für Stärke halten, obgleich es doch nur Verkrustung ist. Und auch wie eine Gesellschaft mit den Schwächsten umgeht, daran erkennt man ihr wahres Wesen. Wir müssen uns fragen, was wir wirklich wollen. Doch auch in einer Gesellschaft, in der das Recht des Stärkeren gilt, ist es so: es gibt immer jemand, der stärker ist… Und wo führt das hin? –
Paulus hatte in seinem Beruf auch sehr gekämpft; auch gegen manche Widerstände, auch mit vielen Problemen. Und er hatte G-tt gebeten, ihn stärker zu machen, damit er sich besser durchsetzen und effektiver sein könne. Doch G-tt gab ihm – und allen, die stark sein wollen oder müssen - eine andere Antwort: „Lass dir an meiner Gnade genügen; meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Immer wieder entzieht G-tt sich unseren Vorstellungen und Maßstäben – und dreht sie um, stellt sie auf den Kopf, denn „was schwach ist vor der Welt, das hat G-tt erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist… damit sich kein Mensch rühme…“ Vor ihm gelten einfach andere Maßstäbe! G-tt ist nicht mit denen, die meinen etwas darzustellen oder stark zu sein und niemanden zu brauchen, sondern mit denen, die ehrlich und realistisch sind – vor sich und vor anderen.
Und das macht den christlichen Glauben aus. Wir dürfen ehrlich sein und unsere Schwächen zugeben. Deshalb sind wir bei G-tt doch nicht weniger geliebt – im Gegenteil! Und wir dürfen darin erkennen, dass wir gar nicht so allein sind mit unseren Schwächen, wie wir oft meinen. Anderen geht es doch ebenso wie uns.
Vor allem macht es unser Zusammenleben menschlicher, wenn wir ehrlich miteinander umgehen. G-tt verurteilt uns nicht für unsere Schwächen – warum also sollten wir es untereinander tun?
Und schließlich ist es auch ein Zeichen echter Stärke, wenn man zu seinen Schwächen stehen und sie zugeben kann. Und gemeinsam lassen sich die Schwächen besser tragen und zu etwas besserem umwandeln.
Paulus hatte sein Vertrauen auf G-tt gesetzt, und war darin am Ende stärker als alle anderen, die das nicht taten; denn die vermeintlich Starken in dieser Welt sind vergangen, doch das, was Paulus gesagt, getan und geschrieben hat, hat bis heute überdauert. Wirklich stark sind wir nur, wo wir unser festes Vertrauen ganz auf G-tt setzen, und nichts und niemanden sonst.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Jahr 2012.









