1. i'm not perfect, 

    i'm just a human, 

    only human. 

    yes, 

    i make mistakes. 

    and i struggle.

    a lot. 

    no need to bring up 

    the mistakes and struggles 

    all the time. 

    and if i make more mistakes, 

    think about it: 

    i'm only human, 

    just like you, 

    just like the rest of you all.

    probably i'm not much different from you… 


    and never, ever, put me on a pedestal — you'll be disappointed…

    …since i'm a common sinner, like you.


  2. theologically we distinguish the act of faith and faith itself, latin "fides qua creditur" (english: "the belief with which one believes" or "the faith by [or: through] which one believes") on the one hand, and the content of faith, latin "fides quae creditur" ("the faith that is believed") on the other hand.

    in other words:

    this refers to the act of believing (fides qua creditur) as well as to the matters of doctrine (fides quae creditur).

    we can say little about the faith itself that sustains us — it eludes our access and is beyond our grasp, for it is a gift.

    but we can say all the more about the faith we believe, about its content — i.e. the words in which it is expressed; we have to wrestle with its right and contemporary expression again and again.

  3. Ostersonntag. 

    Nach dem Passionszeit und dem dunklen Karfreitag, wo wir uns den dunklen Seiten unseres Lebens gestellt hatten, wird es still. 

    Sehr still.

    Karsonnabend. 

    Zwischenzeit. 

    Jesus ist tot. 

    Die Hoffnung ist dahin. 

    Mit ihm sollte doch alles besser werden. 

    Aber die Hoffnung wurde gefoltert, und dahingeschlachtet. 

    Am Kreuz. 

    Was sollte noch kommen? 

    Der Tod ist das Ende. 

    Das war’s. 

    Alles, was bleibt, ist, noch einmal die tote Hoffnung zu besuchen, vielleicht ein letztes Mal…

    …Abschied von der Hoffnung…


    Markus, der wohl als erster die Berichte um Jesus zusammengefasst hatte, schreibt am Ende seines Evangeliums:

    Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, zusammen mit Salome wohlriechende Öle, um den Leichnam Jesu zu salben.

    Sehr früh am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum Grab. 

    Es war der erste Tag der neuen Woche, und die Sonne ging gerade auf, als sie dort ankamen. 

    Unterwegs hatten sie zueinander gesagt: 

    »Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?« 

    Doch als sie jetzt davor standen, sahen sie, dass der Stein – ein großer, schwerer Stein – bereits weggerollt war. 

    Sie betraten die Grabkammer und sahen dort auf der rechten Seite einen jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen. 

    Die Frauen erschraken; er aber sagte zu ihnen: 

    »Ihr braucht nicht zu erschrecken! 

    Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. 

    Er ist auferstanden, er ist nicht hier. 

    Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Geht nun zu seinen Jüngern und sagt zu ihnen, auch zu Petrus: 

    ›Er geht euch nach Galiläa voraus. 

    Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.‹« 

    Zitternd vor Furcht und Entsetzen verließen die Frauen das Grab und liefen davon. 

    Sie hatten solche Angst, dass sie niemand etwas von dem erzählten, was sie erlebt hatten.

    (Markus 161–8)

    Es ist schon eigenartig. 

    Man hat seine Hoffnung begraben. 

    Begraben, worauf man einst sein Leben gebaut und gesetzt hat. 

    Kennt ihr das?

    Es kommt nichts mehr. 

    Aus und vorbei.
    Keine Hoffnung mehr. 

    Musstet ihr das schon ‘mal erleben? — 


    Einer scheint in seinem Beruf gescheitert. 

    Hat alles gegeben. 

    Für den Job. 

    Mehr gearbeitet, als verlangt. 

    Arbeit war sein Leben. 

    Irgendwann ging es nicht mehr. 

    Er ist zusammengebrochen.

    Buchstäblich. 

    Kein Dank. 

    Sie haben ihn ausgenutzt. 

    Alles genommen. 

    Nicht gegeben.

    Ausser vielleicht noch üble Nachrede. 

    Jetzt sitzt er da.

    Ist ‘raus.

    Was hat er nur falsch gemacht?

    Die Kraft, dahin. 

    Der Mut, zerflossen.

    Geblieben sind unendliche Selbstzweifel. 

    Und grübeln. 

    Hoffnungslosigkeit herrscht, in ihm. 

    Ein Stein liegt auf seiner Seele, schwer und unverrückbar. 

    Es scheint vorbei.


    Eine andere hat sich für ihre Kinder eingesetzt. 

    Hat viel gegeben, auch von sich. 

    Auf manches verzichtet. 

    Sich aufgeopfert. 

    War da, wo sie sie gebraucht haben. 

    Nun aber haben die Kinder so ganz andere Vorstellungen vom Leben entwickelt.

    Sie gehen nicht nur eigene Wege, sondern wenden sich von ihr ab, scheinen sie nicht mehr zu brauchen. 

    Lange haben sie sich nicht mehr gemeldet. 

    Was hat sie nur falsch gemacht? 

    Geblieben sind unendliche Selbstzweifel. 

    Und grübeln. 

    Hoffnungslosigkeit herrscht, in ihr. 

    Ein Stein liegt auf ihrer Seele, schwer und unverrückbar. 

    Es scheint vorbei.


    Ein Dritter hat versucht, seinen Weg zu gehen. 

    Wollte nur er selbst sein. 

    Leben, wer er war.
    Wie er war. 

    Oft war er unverstanden. 

    Immer wieder wurde er in seinem So–sein von anderen zurückgewiesen, abgelehnt. 

    Sie wollten nicht verstehen. 

    Es hat wehgetan. 

    Immer neue Anläufe. 

    Und nun kann er nicht mehr. 

    Was hat er nur falsch gemacht?

    Die Kraft, dahin. 

    Der Mut, zerflossen.

    Geblieben sind unendliche Selbstzweifel. 

    Und Grübeln. 

    Hoffnungslosigkeit herrscht, in ihm. 

    Ein Stein liegt auf seiner Seele, schwer und unverrückbar. 

    Es scheint vorbei.


    »Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?«

    Hören wir die Ostergeschichte, vom allerersten Ostern, sehen wir, dass die Erfahrung, dass nichts mehr geht, sehr menschlich ist. 

    So mancher kennt den schweren Stein, der im Weg ist. 

    Man steht davor, machtlos, hilflos, verständnislos. hoffnungslos. 

    Gibt es ein Ostern für uns? 

     

    Den drei Frauen, die ihre begrabene Hoffnung suchen und aufsuchen, wird etwas gesagt, womit sie nun gar nicht gerechnet haben. 

    »Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. 

    Er ist auferstanden, er ist nicht hier.« 

    Ihnen wird gesagt, dass sie am falschen Ort, am falschen Platz suchen. 

    Sie sollen ihre Hoffnung nicht dort suchen, wo sie begraben ist. 

    Dort gibt es nichts zu finden. 

    Der Ort, wo sie ihre Hoffnung zu finden meinten, ist leer. 

    Erschreckend. 

    Wir können um immer und immer wieder die selben Dinge kreisen, die uns beschweren, wenn alles vorbei scheint — es gibt dort keine Hoffnung. 

    Sie ist dort nicht zu finden. 

    Wo die Hoffnung begraben wurde, ist nun nichts mehr. 

    Das muss man erst einmal begreifen — und akzeptieren. 

    Und dann erst, dann kann man vielleicht auch dies’ hören:

    »Er geht euch nach Galiläa voraus. 

    Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.« 


    Den Frauen wird gesagt, dass sie Jerusalem verlassen sollen. 

    Den Ort, wo ihre Hoffnung begraben lag. 

    Sie müssen sich auf den Weg machen. 

    Ganz neu. 

    Weggehen vom Grab ihrer Hoffnung und Hoffnungen. 

    Denn hier gibt es nichts mehr. 


    Das erfüllte sie mit Furcht. 

    Sie waren erschüttert. 

    Konnte es wahr sein? 

    Man hat die Hoffnung am falschen Ort gesucht? 

    Man soll sich auf den Weg machen? 

    Sie anderswo finden, als im Vertrauten, in dem, was man kennt? 

    Und soll man das wirklich anderen erzählen? 


    Wie sagt der Engel?

    »Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.« 

    Ihr werdet sehen. 

    Er hat es doch gesagt. 

    Ihr werdet sehen. 

    Geht, macht euch auf den Weg… 

    …aber geht los… 


    Kann sein, dass der im Beruf scheinbar Gescheiterte sich neu orientieren muss, etwas anderes wagen; auch um zu erleben, dass seine Selbstzweifel und seine Selbstvorwürfe in Wahrheit unbegründet sind. 

    Kann sein, dass die einsame Mutter ihre Kinder loslassen muss. 

    Kann sein, dass der, der doch nur er selbst sein wollte, nach ihm ähnlichen Menschen suchen muss. 

    Ihr werdet sehen. 

    Geht, macht euch auf den Weg… 

    …aber geht los… 

    Laßt eure begraben Hoffnung hinter euch. 

    Vertraut auf das, was Gott, was Jesus euch gesagt hat. 

    Ihr werdet ihn finden, nur nicht hier. 

    Aber dort, wo er gesagt hat, dass er zu finden sei. 

    Er wartet auf euch, dass ihr zu ihm kommt.

    Hoffnung. 

    Auferstehung. 

    Neues Leben. 


    Und auch zu uns sagt der Engel:

    Ihr werdet sehen. 

    Verlaßt das Grab eurer Hoffnungen, und macht euch auf den Weg dorthin, wo Jesus gesagt hat, dass er zu finden sei.

    Für uns heißt das, dass wir ihn immer wieder neu finden können im Gottesdienst, im Abendmahl, beim Bibellesen, auch mit anderen, beim Beten. 

    Ihr werdet sehen.

    Und wir dürfen wissen, dass Jesus auf uns wartet. 

    Und immer wieder neu Hoffnung geben, und Hoffnung sein will.

    Wenn wir es wollen.

    Und ihn lassen. 

    Amen.


  4. the new testament knows several words for #love — φιλία, ἔρως, στοργή, φιλαυτία, πρᾶγμα, μανία, διακονία, ἀγάπη… 

    …ἀγάπη only appertains to the living g–d.

    now, when you're talking about love, what love are you talking about?

    we need to differ.

    the living g–d is ἀγάπη — but from a scholarly point of view it's intellectually dishonourable and disingenuous to hijack the word agape in the attempt to make e.g. ἔρως or φιλαυτία sound divine; that's mixing up different biblical meanings of love for one's own purposes.

    usually, bible thumping christians do that.

    but we cannot narrow down the biblical words for love just to one english word.

    ἀγάπη — as the bible defines it — is neither a romantic feeling nor an emotion, love is an act of your will, and it defines the way you treat others.

    and this treatment of others is neither about you nor about your feelings, but about the wellbeing and good of others — everything that supports and benefits life.

    so, when you use the word love make sure what exactly you're talking about — better describe what you mean instead of oversimplifying, which leads to a misunderstanding of the bible.



  5. When I was lying in bed early in the morning and couldn't sleep any more and the clock was ticking lonely, I imagined an angel.
    He walked right in the door and sat on the edge of my bed.
    "Make everything all right again," I said.
    The angel shook his head regretfully:
    "I can't; I'm not a wizard."
    I was disappointed: 
    "Then what can you do?"
    The angel replied: 
    "I can be with you until it is all right again." 


  6. they don't have to be men with wings, the angels.
    they walk quietly, they don't have to shout,
    often they are old and ugly and small, the angels.

    they have no sword, no white robe, the angels.
    perhaps it is one who gives you a hand,
    or he lives next to you, wall to wall, the angel.

    he brought bread to the hungry, the angel.
    to the sick he has made the bed,
    and he hears when you call him in the night, the angel.

    he stands in the way and says: no!, the angel.
    tall as a pole and hard as stone,
    they don't have to be men with wings, the angels.

      —  rudolf otto wiemer

  7. i’ve been on fb for over 10 years...
    during that time i've met many people — some of them only on fb, some of them in real life.
    some of them opened up themselves a little bit.
    also in my job i've seen into many abysses.
    so much hurting, so much pain, so much trouble, so many regrets.
    it was a privilege that i was allowed to see all that.
    it made me… hurt, to see that much pain.
    now, there's a saying:
    "everyone you meet is fighting a battle you know nothing about.
    be kind.
    always."
    i found this saying to be true.
    and yet, way too often we hurt each other.
    way too often.
    sometimes we do that without knowing.
    the history books are full of people hurting others.
    but hurting others won't silent the pain in us — no matter what we think.
    maybe for a moment, but not in the long run.
    and isn't it strange?
    we even hurt those we say we love.
    i'll tell you what — that's just not right.
    hurting others just because we don't want to be honest about ourselves (and with each other), because of our mistrust.
    the bible says that's because of the human condition — the term for that is (original) sin.
    good friday and easter sunday we think of the one we hurt most.
    on christmas we think of the one being born to be hurt.
    it makes me cringe to think about what we've done to the one.
    but one thing is for sure:
    eventually g–d shall wipe away all tears from their eyes; and there shall be no more death, neither sorrow, nor crying, neither shall there be any more pain: for the former things are passed away.
    for he makes all things new.
    this time has not yet come, though i'm longing for it.
    christmas reminds us of the living g–d's promise.
    and about his encouragement for us to be honest, and to adhere to the life he's about to give us.
    as a present.
    why not unwrap this present — this christmas; why not start anew⁇
    "i believe; help thou mine unbelief."
    i encourage you to walk to the crib.
    this year.
    no need to bring presents to the child.
    he has already everything.
    everything.
    even your pain.
    let him ease you, at least for a moment.
    you're allowed to cry.
    you're allowed to laugh.
    that's christmas.
    may it be — this year — a time for relief.
    no matter if you're able to visit a service; no matter if you can meet loved ones or not.
    just take some time with the child in the crib.
    a minute, or an hour.
    just you, and the child.
    trust him.
    the child will wander with you so that you won't get lost but eventually reach home, your eternal home.
    he sees your hurting and your pain.
    he cries with you, he shares your wrath.
    he won't take it away — because this life is neither just nor is it possible to avoid pain.
    but he'll be with you, standing at your side.
    you're not alone.
    he even shares your impuissance and powerlessness.
    and maybe this year we start to be honest with each other.
    sharing our pain.
    the stable is a safe place.
    and when we walk away from the crib we hopefully are a little less burdened — at least for a moment.
    i wish all of you a blessed christmas.
    may it be a good one. 

  8. Morgen ist Buß– und Bettag.

    Ein Feiertag, der auf Notzeiten zurückgeht.

    Weil man einen Zusammenhang sah zwischen dem eigenen Handeln und dem, was in der Welt passierte.

    Und man wußte, dass man da nicht aus eigener Kraft herauskam.

    Ganz in biblischer Manier — man denke nur an die Jona–Geschichte — wurde angesichts von Notständen und Gefahren die ganze Bevölkerung zu Umkehr und Gebet aufgerufen.

    Alle.

    Inzwischen wurde dieser Tag in den meisten Bundesländern als offizieller Feiertag abgeschafft.

    Offensichtlich gibt es aus Sicht der Mehrheit nichts zu büßen und zu beten.

    Büßen.

    Man versteht, dass das kein schönes Wort ist.

    Dabei wissen wir alle, daß es biblisch um um Reue für begangene Sünden und um eine Rückbesinnung auf den Gottesglauben geht.

    Das Leben neu denken.

    Innehalten.

    Sich selbst neu denken.

    Umdenken.

    Umkehren.

    Neu ausrichten.

    Gleichzeitig soll die Kirche die Sünden ihrer Zeit benennen.

    Und auch das Volk zu G–tt rufen.

    Das Leben neu denken.

    Gemeinsam innehalten.

    Die eigene Identität neu denken.

    Umdenken.

    Neu ausrichten.

    Aber, wie gesagt, es scheint, als sei davon nicht mehr viel übrig geblieben.

    Weil wir zwar noch sehen, dass es im Großen Zusammenhänge geben mag, die uns das Leben schwierig machen, aber wir oft genug nicht im persönlichen Leben umzukehren vermögen — oder wollen.

    Und wir meinen oftmals, dass wir die Probleme schon selbst in den Griff bekommen werden.

    Wir schaffen das.

    Wir müssen nur genug moralischen Druck auf alle ausüben, dann wenden wir die Not.

    Als wenn es an unserem Wollen und Laufen liegt.

    Dabei geht es gar nicht um Moral.

    Sondern tiefer.

    Wo stehen wir — als Einzelne und als Gemeinschaft — vor G–tt?

    Dazu müssten wir freilich darauf hören, was G–tt von uns will, für uns will.

    Das war die Idee dahinter, im sich neu Ausrichten auf den lebendigen G–tt — und seine guten Ordnungen — Dinge wieder in Ordnung bringen zu können, vor G–tt, mit G–tt…

    …frei von Sachzwängen an die Nöte herangehen können, die uns befallen haben, und sie so zu wenden; nicht aus eigener Kraft, sondern eben vom lebendigen G–tt her.

    Das gilt dann aber auch für alle.

    Für den Einzelnen ebenso wie für die Gemeinschaft, und damit auch für die Gemeinde und die Kirche.

    Das Leben neu denken.

    Innehalten.

    Umkehren.

    Sich selbst neu denken.

    Neu ausrichten.

    Möge G–tt uns das schenken.

    Dazu und dafür laßt uns G–tt aber auch bitten.

    Amen.










  9. the country
    i've been born in
    doesn't exist
    anymore.
    i guess
    that applies
    for everyone,
    probably
    from the age
    of thirty.
    the towns
    now
    look different
    than they looked
    back
    during childhood.
    people disappear,
    new rules
    apply,
    and there's no way
    back.
    you are
    changing
    yourself
    much more
    slowly
    than the world
    around you.
    getting old
    means
    becoming
    a stranger



  10. Es ist schon seltsam, Andachten und Predigten fallen mir immer schwerer, je länger ich aus dem aktiven Dienst ‘raus bin.
    Das mag damit zusammenhängen, wie ich Kirche erlebt habe — und Menschen, die sich Christen nennen.
    Das muss einen nicht immer der Sache des Glaubens und der Kirche näher bringen.
    Die erlebten Enttäuschungen und Verletzungen mit Kirche — und ja, darin auch mit G–tt (was ganz gewiß auch etwas mit dem eigenen Gottesbild zu tun hat, unbestritten)! — haben tiefe Spuren hinterlassen. 
    Mich beschäftigt in diesem Zusammenhang 1. Könige 19 immer wieder.
    Ich meine heute, Elijahu ein klein wenig besser verstehen zu können.
    Er hat geeifert für den Herrn, sich eingesetzt für seine Sache, hat 150% gegeben, hat gekämpft für G–tt — und irgendwann konnte er nicht mehr.
    Er konnte einfach nicht mehr.
    Es ging einfach nicht mehr.
    Es war genug.
    Übergenug.
    Von den Institutionen war nichts mehr zu erwarten.
    Von Menschen war nichts mehr zu erwarten.
    Ja, er hatte Wunder gesehen, hatte G–tt am Werk gesehen, aber es war alles fruchtlos.
    Was machte es für einen Unterschied, ob er sich einsetzte oder nicht — was machte es für einen Unterschied, ob G–tt etwas tat oder nicht?
    Es änderte nichts.
    Es war so unendlich frustrierend — so vergeblich.
    Es gibt diesen Punkt, wo  nicht mehr weiter kann.
    Wo nichts mehr geht.
    Wo man nicht noch mehr ertragen kann.
    Wo man nur noch liegen will und wünscht, dass endlich alles vorbei ist.
    Auch das Leben.
    Gerade das Leben.
    Weil — es ist genug.
    Einfach genug.
    „Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.“ (1Kö 194)

    Ihr kennt die Begebenheit.
    G–tt erfüllt Elijahu seinen Wunsch nicht, aber er läßt ihn erst einmal ausruhen.
    Essen und trinken — und Bewegung.
    Keine Erwartungen.
    Keine Ansprüche.
    Was in den 40 Tagen passiert, wird in dem Bericht leider nicht geschildert — was Elijahu denkt, wie es ihm geht, was in ihm vorgeht.
    Am Berg G–ttes, zu dem er gewandert ist, wird Elijahu jedoch angesprochen:
    „Was machst du hier, Elijahu?“
    Und noch einmal bricht es aus Elijah heraus:
    „Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben…“
    Und trotz allem, was er vor seinem Zusammenbruch mit G–tt erlebt haben mag, höre ich hier die tiefe Frage mitschwingen:
    „Wo warst du, G–tt?
    Wo warst du, als ich dich so sehr gebraucht habe?“
    Die Antwort G–ttes war eine Epiphanie.
    Wohl das, wonach Elijahu sich am meisten gesehnt hatte — eine Vergewisserung seiner Gegenwart.
    Was mir auffällt am Text:
    es war gewissermaßen nur eine kleine Epiphanie.
    Nichts großartiges.
    „…der Herr ging vorüber. 
    Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. 
    Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. 
    Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. 
    Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.“
    Und vielleicht ist es das.
    Vielleicht müssen wir uns an G–ttes Zusage genügen lassen, an deiner Gnade.
    Vielleicht gibt es nicht mehr als das.
    Dass der lebendige G–tt leise nur wahrzunehmen ist, sich unauffällig gibt…
    Danach ein neuer Auftrag, der eigentlich der alte war, in den er wieder neu eingesetzt wird — und die Zusicherung, dass G–tt bei ihm sein werde, in allen seinen Kämpfen, und er nicht allein sein werde…
    Trotz aller Widerstände.
    Trotz aller Gegenwehr.
    Mag sein, dass die Antwort nicht zufriedenstellt.
    Mag sein, dass wir uns oft mehr wünschen.
    Mag sein, dass wir uns G–tt, und sein Handeln, oft größer und glorioser wünschen.
    Doch müssen wir nehmen und akzeptieren — und manchmal auch aushalten — was uns beschieden ist…
    Und im Moment weiß ich nichts anderes. 
    Immerhin — Elijahu bekommt nachher eine Hilfe zur Seite, Elisha.
    Er muss seinen Auftrag nicht allein mehr ausführen — allein machen sie dich ein.
    Eines freilich lernt mich der Text — dass wir Pausen brauchen, Zeiten des Rückzugs und der Rekonvaleszenz, um nicht auszubrennen, und um wieder aufzutanken, damit wir nicht zusammenbrechen (mit all’ den Begleiterscheinungen…).
    Essen.
    Trinken.
    Bewegung.
    Gemeinschaft.

    Und vielleicht wäre das auch ein guter Punkt, vor genau diesem Hintergrund über unsere Arbeit und unsere Gottesbilder in’s Gespräch zu kommen — wie groß oder klein unser Gott sein darf…  




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